Nachruf Adelheid Klittich-Pfankuch

*30. September 1937 – †10. März 2026

Adelheid Klittich-Pfankuch, Seiffen 2018
Adelheid Klittich-Pfankuch, Seiffen 2018

Ein Nachruf von Michael Negele

Mit dem Tod von Adelheid Klittich-Pfankuch verliert der deutsche antiquarische Buchhandel eine prägende Persönlichkeit, die CH&LS aber gute Freundin und ,,fürsorgliche" Gastgeberin über 25 Jahre.

Adelheid Pfankuch wuchs in einer traditionsreichen Buchhändlerfamilie auf, die Liebe zum Buch war ihr sozusagen in die Wiege gelegt. Ihre Ausbildung begann sie in der elterlichen Buchhandlung Karl Pfankuch in Braunschweig – ein Fundament, das ihren weiteren Lebensweg bestimmte. Früh entwickelte Sie nicht nur ein sicheres Gespür für Literatur und Landeskunde, sondern auch eine tiefe Achtung vor dem kulturellen Wert des Buches. Die Vollendung ihrer Ausbildung zur Antiquarin beim Auktionshaus Tenner in Heidelberg erweiterte diesen Blick und legte den Grundstein für umfassendes Fachwissen und ihre spätere Spezialisierung. Hier lernte Sie auch ihren späteren Ehemann Roger Klittich (3. Juni 1936 – † 1. Mai 2015 Obituary of Roger Klittich) kennen und lieben, zusammen kehrten sie nach Braunschweig und führten seit 1963 gemeinsam die Buchhandlung und Antiquariat Karl Pfankuch.

Es folgten Jahre großen Engagements und eine Erweiterung des Tätigkeitsfeldes. Als alleinige Eigentümerin des Antiquariats entwickelte Sie ihr eigenes Konzept antiquarische Bücher den Sammlern zugänglich zu machen. Mit großem Engagement und Fleiß wurden regelmäßig kleine Sammlerlisten und Kataloge erstellt und für Stammkunden eine intensive Recherchekartei nach gesuchten Buchtitel betrieben. In den 1970er Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt konsequent auf das Antiquariat, die Buchhandlung wurde verkauft, um mehr Zeit für Antiquariatsmessen und Auktionen zu haben.

In den 1980er Jahren begann Sie mit ihrem Ehemann gemeinsam ein Auktionshaus zum Vertrieb von Sammlungen und wertvollen Büchern aufzubauen. Die erste Auktion mit einer Sammlung von Bildern dem Nachlass des Braunschweiger Malers und Kunsterziehers Sander, danach folgten mehrere Spezialauktionen mit russischen Ikonen, dies alles erleichterte die Akquise für Buchsammlungen und wertvolle Einzelstücke, so konnten die Suchwünsche und Begehrlichkeiten der Kunden und Sammler noch professioneller unterstützt und bedient werden. Ihr besonderes Interesse lag auf dem Gebiet der Landeskunde und Geschichte, sowie bei der dekorativen Grafik, den historischen Stahl- und Kupferstichen und Landkarten, beide trieben das Auktionsgeschäft voran, parallel dazu nahm die Firma regelmäßig an Antiquariatsmessen und Ausstellungen teil, um so immer am Puls der Zeit zu sein - insbesondere in Stuttgart und Köln.

Ende der 1990er Jahre mit dem Beginn der Internet-Ära vollzog sich wiederum eine tiefgreifende Veränderung des Geschäftsfeldes, die Sie mit Interesse verfolgte und förderte, letztendlich pflegte Sie aber Ihre Privatkunden, nach Ihren Vorstellungen, mit viel Engagement weiter.

Adelheid Klittich-Pfankuch, Roger und Karl Klittich, 2013
Adelheid Klittich-Pfankuch, Roger und Karl Klittich, 2013

Ein neues großes Sammelgebiet „Schach und Schachspiele“ fand Aufnahme in das Interessenfeld des Antiquariats und entwickelte sich zum bedeutsamen neuen Handlungsschwerpunkt, das die Familie nun gemeinsam mit ihrem Sohn Karl betrieb. Dies führte bisweilen zu „Generationskonflikten Vater/Sohn“, mit ihrer Autorität und Kompromissbereitschaft, ihrem subtilen und ausgleichendem Feingefühl schaffte Adelheid Klittich-Pfankuch stets, die Wogen zu glätten. Das eine oder andere Mal sprach sie auch ein Machtwort, um allen Beteiligten die Leitlinien des Hauses in Gedächtnis zurückzurufen.

Was Adelheid Klittich-Pfankuch besonders auszeichnete, war nicht allein ihre Fachkenntnis, sondern ihre Haltung zum Beruf. Mit Fleiß, unermüdlicher persönlicher Leidenschaft und einem feinen Gespür für Menschen führte sie ihre Geschäfte über Jahrzehnte hinweg. „Immer ein gutes Buch zur Hand“ – dieses Motto war für sie nicht nur ein Leitspruch, sondern gelebte Überzeugung. Als Vertreterin der „alten Schule“, der persönlichen Kontakt zu Kundinnen und Kunden unterhielt, die Pflege gewachsener Geschäftsbeziehungen und die individuelle Beratung lagen ihr besonders am Herzen. Ihr Antiquariat war nicht nur ein Ort des Handels, sondern auch ein Ort des Austauschs und der Begegnung.

Dabei zeigte Sie sich in ihrer Persönlichkeit facettenreich – humorvoll und herzlich, zugleich aber klar in ihren Überzeugungen. Für Sie stand fest: „Wer Bücher kauft, muss lesen können“ – und ebenso, dass der „Ankauf von Büchern und Sammlungen“ nur mit Lust und Liebe zu erfolgen hatte. Diese Haltung prägte Ihr gesamtes berufliches Wirken.
Sie hat ihren Beruf nicht nur ausgeübt, Sie hat ihn gelebt. Bis zuletzt war Sie als Geschäftsführerin in ihrem Unternehmen tätig – mit wachem Geist, großer Erfahrung und ungebrochener Leidenschaft für das Antiquariat.

Ihr Lebenswerk wird bleiben – in den Beständen und Regalen vieler Sammlerinnen und Sammler, in der Geschichte des Antiquariatswesens, war Sie doch eine Mitbegründerin des Verbandes Deutscher Antiquare und in den Erinnerungen der Menschen, die sie kannten und schätzten. In Dankbarkeit und Respekt haben wir Abschied von ihr genommen. Ihr Andenken werden wir in Ehren bewahren, wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit, für ihre Herzlichkeit, ihre Klarheit und ihre unermüdliche Hingabe.

Marion Oeben, Adelheid Klittich-Pfankuch, Karl Klittich, Trier 2015
Marion Oeben, Adelheid Klittich-Pfankuch, Karl Klittich, Trier 2015

Mir persönlich wird „Heidi“ Klittich-Pfankuch sehr fehlen. Noch am 22. November 2025 haben wir uns mit warmen Worten verabschiedet und freuten uns beide auf das Wiedersehen bei der 90. Auktion im Theaterwall 17 am 20. Juni 2027. Dies hat eine höhere Macht leider vereitelt, die Beisetzung von Frau Klittich-Pfankuch fand am 10. April 2026 auf ihren Wunsch im engsten Familienkreis statt.

Somit gilt ein „Memento Mori“ aber auch „Carpe Diem“, liebe Freunde.

In diesen schweren Tagen des Abschieds waren meine Gedanken bei ihrem Sohn Dr. Karl Klittich, der sich seit dem Tod seines Vaters an der Seite seiner Mutter in großartiger Weise für die Belange der Schachsammler und der CH&LS eingebracht hat.

Danke dafür, lieber Karl und Kopf hoch
Dein Michael

(erstellt von Michael Negele, u.a. nach Angaben von Karl Klittich.)

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