In memoriam

Prof. Carlo Alberto Pagni
(13. Februar 1931 – 2. März 2009)








Eine traurige Nachricht erreichte die KWA-Gemeinde in der vergangenen Woche: unser italienisches Mitglied Prof. Carlo Alberto Pagni war am Montag, den 2. März, völlig unerwartet in Mailand verstorben. Niemand konnte ahnen, dass ihm nach seinem 78. Geburtstag, zu dem wir noch Ende Februar gratuliert hatten, eine solch kurze Frist verbleiben sollte.

Geboren in der Hafenstadt La Spezia (Ligurien), entschloss sich Carlo Alberto Pagni zum Studium der Medizin und wurde Professor für Neurologie und Neuro-chirurgie. Sein Wirken an verschiedenen italienischen Universitäten kann hier nicht näher skizziert werden, die wesentlichen Stationen seiner beruflichen Laufbahn hat er selbst in seinem Curriculum vitae kurz aufgeführt.

Als 16-jährige Jugendlicher hatte Carlo Alberto mit dem Schachspielen begonnen, aber Studium und Beruf setzten diesen Aktivitäten ein frühes Ende. Erst 1970 machte er einen Neuanfang auf dem Gebiet des Fernschachs, es wurde eine Passion, die ihn bis an sein Lebensende begleiten sollte. Etwa ab Mitte der 90iger Jahre trat er auch als Autor auf seinem erwählten Gebiet hervor, wobei er sich vornehmlich der frühen Fernschach-Historie annahm. Zahllose Artikel in Schachzeitschriften und eine beeindruckende Zahl von Buch-Publikationen künden von seinem enormen Engagement - eine vollständige Liste seiner Bücher sei hier mitgeteilt (freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Alessandro Sanvito).

Carlo Alberto Pagni

Prof. Pagni bei seinem Vortrag
in Venedig, Mai 2008
Von seinem letzten Werk, Telescacchi d’Autore (2008), zeigen wir eine Abbildung des Umschlags mit einem weiteren Bild des Autors.

Bereits kurz nach unserer Gründung war Carlo Alberto Pagni der KWA beigetreten, wobei sich in den letzten 3 Jahren die Beziehungen "stabilisiert" haben – sichtbare Zeichen waren die Treffen in Turin 2006 und in Venedig 2008, an denen unser Professor teilnahm. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass C.A. Pagni gemeinsam mit drei anderen KWA-Mitgliedern (Ivan Bottlík, Tim Harding und Eric Ruch) den Ausschuss für Historische Forschungen (HRC = Historical Research Committee) bei der ICCF bildete (Quelle: Protokoll des ICCF-Kongresses 2008).

Wenige Stimmen und Erinnerungen von Freunden und Weggefährten mögen ein persönlicheres Bild des Verstorbenen zeichnen, als ich (R.B.) es zu tun vermag:

Michael Negele: "Wir (die KWA) haben einen hoch angesehenen Wissenschaftler und Pionier auf dem Gebiet der Gehirnchirurgie verloren, dessen wahre Passion - wie bei Bruno Bassi - aber die 'Schachforschung' auf einem recht engen Gebiet war. Imponierend aber Carlos 'Flexibilität' und 'Spannkraft', sich immer wieder neuen Themen wie dem 'Schach per Telefon' oder der 'FS-Karriere von Paul Keres' zu widmen (bei der Vorbereitung des letztgenannten Werks konnte ich ein klein wenig hilfreich sein). Seine z.T. einzigartigen Zusammenstellungen werden uns in Zukunft fehlen. Zudem werde ich einen stets freundlichen, aber auch willensstarken Freund vermissen, mit dem ich seit Herbst 2003 in regelmäßigem Kontakt stand und dem ich eine interessante Erfahrung mit 'italienischen Verhältnissen' auf der Schacholympiade Turin 2006 verdanke."

Luca D’Ambrosio erinnert sich: "... noch am 12. Februar habe ich mit Pagni über eine deutsche Fassung seines Buches über die Fernpartien von Paul Keres korrespondiert. Er schien mir - wie immer - voller Energie und Ideen.
Ich bin froh, dass ich Professor Pagni im Mai letzten Jahres in Venedig persönlich kennen lernen durfte. Als Neuling der KWA kann ich nicht in angemessener Weise die Person und das Werk des Verstorbenen würdigen, das können andere sicher viel besser. Als Neuling war ich allerdings sehr gerührt darüber, dass Pagni bei einem Spaziergang durch Venedig auf mich zukam, mich beim Arm nahm und sich ausführlich über meine Nachforschungen und Interessen erkundigte.
Vor wenigen Wochen hat Professor Pagni mir einen kurzen Beitrag für die Festschrift zu Ehren von Alessandro Sanvito geschickt - ich fürchte, dies dürfte sein letzter Artikel gewesen sein. Meines Wissens arbeitete er, zusammen mit Antonio Rosino, intensiv an der Biographie von Stefano Rosselli del Turco. Diese wird Antonio nun wohl alleine beenden müssen."

Antonio Rosino: "Pagni hat mich oft und lange in Venedig besucht, um die Bibliothek des italienischen Schachverbandes zu konsultieren [derzeit in Verwahrung von A. Rosino].
Pagni war ein sehr bedeutender Arzt und der erste, der in Italien einen Lehrstuhl für Neurologie leitete (Universität Turin). Er war weiterhin auch Vorsitzender der
italienischen Gesellschaft für Neurologie (Società di Neurologia). Eine große Sammlung seltener medizinischer Zeitschriften hat er noch zu Lebzeiten einer deutschen Universität hinterlassen.
Pagni beendete seine Universitätskarriere im Jahr 2003 und widmete sich sehr intensiv dem Schach. Trotz des hohen Alters benutzte er die neuen Medien, wie das Internet, sehr kompetent und effizient, so hat er z.B. in amerikanischen Tageszeitungen etliche unveröffentlichte Fernpartien aufspüren können. Es gereicht der Schachwelt zur Ehre, dass ein Pagni zu ihr gehörte."






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