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In
memoriam
Dr.
Jean Mennerat
(11. August 1917 – 21. September 2007)
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Erst
sehr spät haben wir die traurige Nachricht erhalten: Dr.
Jean Mennerat, der Nestor unserer Vereinigung und der größte
französische Schachsammler unserer Zeit, lebt nicht mehr. Wir
wissen nichts über seine letzten Monate, der Kontakt zu ihm
war leider schon seit August 2006 abgebrochen.
Nach Beendigung seiner beruflichen Tätigkeit als Arzt in Paris
hatte sich Jean Mennerat zusammen mit seiner Frau in Amancey, einem
kleinen Dorf im französischen Jura, niedergelassen, wo er sehr
zurückgezogen lebte und sich der Pflege seiner Sammlung widmete.
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Nur wenigen hat er seine Anschrift
anvertraut, und sicherlich noch deutlich geringer war die Zahl derer,
die bis in sein "Allerheiligstes" vordringen durften. Christophe
Bouton gehörte zu diesem kleinen Kreis der Auserwählten, er
berichtet in seinem lesenswerten Nachruf (im Echecs64-Blog),
dass es seinerzeit zäher Vorverhandlungen bedurfte, um zu einem
Vor-Ort-Interview mit Dr. Mennerat zu kommen und seine äußerst
beeindruckende Sammlung zu besichtigen. Bekanntlich hat C. Bouton über
dieses einmalige Ereignis in New In Chess 2005/5 berichtet.
Bei der misstrauischen Grundhaltung von Jean Mennerat vor allem gegenüber
Sammlerfreunden war es daher durchaus bemerkenswert, dass er sich 2004
zu einer Mitgliedschaft in der Ken Whyld Association entschloss. Die
Möglichkeit, sich hier lediglich über das Internet austauschen
zu können, mag dabei seine Entscheidung im positiven Sinne beeinflusst
haben. In der Folge haben sich denn auch häufigere schriftliche
Kontakte per e-mail oder Brief zwischen ihm und anderen KWA-Mitgliedern
- besonders auch mit Michael Negele - ergeben, wobei sich Jean Mennerat
stets als sehr zuvorkommend und hilfsbereit erwiesen hat. Es war aber
von Anbeginn klar, dass Dr. Mennerat aufgrund seines fortgeschrittenen
Alters und seiner angeschlagenen Gesundheit – er bezeichnete sich
selbst als Invalide – nicht imstande war, weitere Beiträge
für unsere Vereinigung zu leisten. Leider hat er auch unsere Einladung
ausgeschlagen, das Mitgliedertreffen in La Tour-de-Peilz 2006 zu besuchen,
obwohl man ihm angeboten hatte, ihn hin und zurück zu chauffieren.
Das einzige KWA-Vorstandsmitglied, das Jean Mennerat demnach persönlich
getroffen hat, ist Jurgen Stigter, der ihm bei einzelnen Auktionen in
Holland in den 80er Jahren begegnet ist.
Der letzte Brief von Jean Mennerat an Michael Negele stammt vom 03.08.2006,
er hatte auf eine Anfrage von Michael zu Le Lionnais geantwortet; dieser
maschinengeschriebene Brief ist hier als Scan
wiedergegeben. (Das Datum ... 2005 im Brief ist ein kleiner Tippfehler
- hier noch der Briefumschlag
mit Datum des Poststempels.)
Weitere Einzelheiten über Jean Mennerat sind in unseren August-Geburtstagsgrüßen
der letzten 3 Jahre archiviert (... August
2007).
Im oben genannten Nachruf von C. Bouton findet man zudem einzelne persönliche
Erinnerungen an den Verstorbenen und ein Ausblick zum möglichen
Schicksal seiner Sammlung. Unser belgisches Mitglied Guy van Habberney
hat eine kurze Zusammenfassung geliefert, die die wichtigsten Angaben
berücksichtigt:
Am 21. September, eine Woche nach seiner Ernennung
zum Ehrenmitglied der Ken Whyld Association, verstarb Dr. Jean Mennerat.
Seine Frau hat er nur um wenige Monate überlebt, nach seinem 90.
Geburtstag (am 11. August) war ihm selbst nur noch eine kurze Frist
vergönnt. Seit früher Jugend ein passionierter Sammler, war
seine Bibliothek im Laufe seines Lebens auf rund 27.500 Bücher
angewachsen (Dubletten nicht gezählt; ein Zeitschriftenjahrgang
= 1 Einheit). Außerdem war Dr. Mennerat Herausgeber der Zeitschrift
L'Echiquier de France gewesen (1946-1955) sowie bekannt für
seine Arbeit über Chapais, einen französischen Endspiel-Experten
des 18. Jahrhunderts. Ab 2005 hatte er praktisch alle sammlerischen
Bemühungen eingestellt, da er nicht mehr in der Lage war, die Stufen
zu seiner gewaltigen Bibliothek hinaufzusteigen. Er hinterlässt
4 Kinder, 9 Enkelkinder und 14 Urenkel.
Seine Sammlung vermachte er testamentarisch der Stadt Belfort, aber
als im Oktober eine Delegation zur Besichtigung der Sammlung erschien,
gab es eine handfeste Überraschung: 425 Meter Bücher –
das Äquivalent von 18 Kubikmetern! Es ist noch nicht klar, was
die Verwaltungsbehörden von Belfort mit einem solch umfänglichen
Vermächtnis in einer derartigen Sprachenvielfalt anfangen werden,
ein früherer Versuch von Jean Mennerat, seine Bücher der Stadtbibliothek
von Besançon zu stiften, war jedenfalls gescheitert.
Der von Michael Negele entworfene Brief an Jean
Mennerat, der ihn über seine Ehrenmitgliedschaft informieren sollte,
sei hier ebenfalls veröffentlicht:
Brief
zur Ehrenmitgliedschaft
Wir wünschen uns, dass die "Sammlung Jean Mennerat" geschlossen
erhalten bleibt, wie es sein letzter Wille vorgesehen hat. Und wir hoffen,
die Stadt Belfort wird die Chance ergreifen, das Erbe von Jean Mennerat
an die Schachwelt für nachfolgende Sammler- und Forscher-Generationen
verfügbar zu machen.
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